ZWISCHEN TIER UND MENSCH

Analyse der Abgrenzung und Ansätze für ein Miteinander.

1. Projektkontext & Ausgangspunkt

Zeitungsartikel über Hybridexperimente

Quelle: Zeitungsartikel über Hybrid-Embryonen

1.1 Projektbeschrieb

Ein Artikel über Hybridexperimente in Japan brachte mich auf die zentrale Fragestellung meiner Thesis. Darin war beschrieben, wie menschliche Stammzellen in tierische Embryonen eingebracht wurden – mit dem Ziel, künftig menschliche Organe in Tieren zu züchten.

Der Artikel führte mich zu grundlegenden Überlegungen: Welche Vorstellungen von „Mensch“ und „Tier“ liegen solchen Entwicklungen zugrunde? Was sagt es über unsere Gesellschaft, dass solche Grenzverschiebungen denkbar – und sogar wünschenswert – erscheinen? Was könnten positive und negative Konsequenzen der Grenzauflösung zwischen Mensch und Tier sein? In meiner Thesis nutze ich spekulatives Design, um genau diese Fragen zu öffnen.

Schon früh habe ich mich bewusst für das Medium der Website entschieden – mit dem Ziel, über UX/UI-Design eine geführte Narration zu entwickeln, die die vierte Wand durchbricht und die Betrachterinnen direkt adressiert. Die Nutzerinnen sollen für einen Moment glauben, meine fiktive Erzählung könne Teil der Realität sein – um so ihre emotionale Beteiligung zu steigern und einen Zugang zu einer Thematik zu schaffen, die unserer Wirklichkeit näher ist, als manche denken. Das übergeordnete Ziel ist es, eine ethische Auseinandersetzung anzustoßen – eine Diskussion, die angesichts aktueller technologischer Entwicklungen dringend notwendig ist.

So bin ich zu meinem Projektbeschrieb und dem Startpunkt meiner Recherchearbeit gelangt

Projektbeschrieb Bachelor-Thesis

2. Impulsworkshop

2.1 Recherche und Inspiration

Für meine Recherche habe ich zunächst alles gesammelt, was mir thematisch begegnet ist. Ich habe nach Chimären aus Antike, Mythologie und dem Mittelalter gesucht, mich mit fiktionalen Figuren aus Literatur und Film beschäftigt – mit übernatürlichen Heldinnen ebenso wie mit hybriden Antagonistinnen. Gleichzeitig habe ich Positionen aus Kunst, Wissenschaft, Biologie und Philosophie einbezogen und gezielt nach Forschungsarbeiten gesucht, die sich mit der Vermischung von Genen, Geweben und Technologie auseinandersetzen.

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2.2 Visual Scavenger Hunt

Im Rahmen des Impulsworkshops erhielten wir die Aufgabe, uns auf eine Visual Scavenger Hunt zu begeben: In möglichst kurzer Zeit sollten wir verschiedenste gestalterische Untersuchungsmethoden zu unserem Thema ausprobieren. Ich habe gezeichnet und frühere Illustrationen zum Thema zusammengetragen, ein Videoexperiment unternommen, einen ganz einfachen P5-Spezies-Generator programmiert, erste Bildgenerierungen mit DALL·E getestet, Sticker-Collagen mit Dinosauriern erstellt und eine sehr einfache Form in Blender modelliert. Dabei wurde mir deutlich, dass sich die Vermischung von Spezies nicht nur über Form, sondern auch über Textur visualisieren lässt.

Dass ich später eine Webseite zu meinem Projekt gestalten wollte, war mir bereits zu diesem Zeitpunkt klar. Doch in diesem Workshop konnte ich frei die visuelle Sprache erproben, die im späteren Content eine Rolle spielen sollte – und gleichzeitig erste gestalterische Ansätze ausschließen.

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2.3 ABT-Narrationen mit dem Medium einer Webseite

Dass ich eine spekulative Website gestalten wollte, stand für mich sehr früh fest – nicht nur, weil mir die technische Auseinandersetzung mit Coding und die gestalterische Arbeit mit UX/UI-Elementen große Freude bereiten. Eine Website richtet sich direkt an die Nutzer*innen: Die vierte Wand wird durchbrochen, und die Betrachtenden fühlen sich unmittelbar angesprochen.

Gerade dadurch eröffnet sich mir die Möglichkeit, Realität und Fiktion zu vermischen – denn auf den ersten Blick ist nicht ersichtlich, ob es sich bei der Seite um eine konzeptuelle, gestalterische Arbeit handelt oder um die echte Website einer Institution. Mithilfe gezielt eingesetzter UX/UI-Elemente lässt sich eine interaktive Narration entwickeln, die in ein erfundenes Weltbild einführt – eines, das zunächst als real erscheint und erst später als Fiktion entlarvt wird.

Die zentrale Frage war nun: Welche Geschichte will ich erzählen – und wie lässt sie sich sinnvoll in der Struktur einer Website umsetzen?
Dafür habe ich verschiedene ABT-Szenarien verglichen. Ursprünglich entschied ich mich für Szenario 8. Erst später entwickelte ich das ABT für das Ikarus-Labor und die sogenannte GIR-Injektion – jenes Narrativ, das schließlich die Grundlage meines finalen Konzepts bildete.

AND: Ein Wissenschaftler dokumentiert in seinem digitalen Logbuch den Fortschritt eines geheimen Hybrid-Projekts. Seine Einträge schildern erste Erfolge und ethische Bedenken.

BUT: Plötzlich tauchen beunruhigende Vorfälle auf – Hybriden zeigen unerwartete Verhaltensweisen, und erste Berichte über Zwischenfälle werden unterdrückt.

THEREFORE: Beim Scrollen entdeckt der Nutzer versteckte Hinweise und eine Entscheidungsmöglichkeit: die Wahrheit aufdecken oder weitermachen.

AND: Ein Aktivist führt ein digitales Tagebuch über seine Bemühungen, Hybridrechten Geltung zu verschaffen.

BUT: Die Übergriffe auf Hybriden nehmen zu, und er wird zur Zielscheibe einer Anti-Hybrid-Lobby.

THEREFORE: Der Nutzer entscheidet: Untergrund, Öffentlichkeit oder Regierungskontakt?

AND: Ein Hybrid berichtet von seinem Alltag in einer Gesellschaft, die es nicht akzeptiert.

BUT: Es wird von Wissenschaftlern zurückgefordert.

THEREFORE: Der Nutzer entscheidet über Flucht, Kampf oder Identitätswandel.

AND: Ein Kind beschreibt, wie seine Familie einen Hybrid adoptiert hat.

BUT: In der Schule merkt es Unterschiede in den Rechten und der Reaktion anderer.

THEREFORE: Der Nutzer beeinflusst das Verhalten des Kindes: verteidigen, anpassen, herausfordern?

AND: Eine Webseite ermöglicht die Bestellung maßgeschneiderter Hybriden.

BUT: Es erscheinen beunruhigende Details und geheime Klauseln.

THEREFORE: Nutzer kann bestellen – oder die Seite hacken und aufdecken.

AND: Eine Webseite listet Theorien über Hybridursprünge und Elitenersatz.

BUT: Wahrheit und Fake-News verschwimmen zunehmend.

THEREFORE: Nutzer entscheidet: Whistleblower, Theoretiker oder Entlarver?

AND: Eine Plattform bietet Hybridadoptionen an.

BUT: Im Kleingedruckten: keine Bürgerrechte, Rückforderungsrechte.

THEREFORE: Nutzer adoptiert – oder rebelliert gegen das System.

AND: Eine futuristische Klinik bewirbt ihre Dienste: Menschen können sich durch genetische und chirurgische Eingriffe „optimieren“ lassen – mit tierischen Eigenschaften wie Nachtsicht, verbesserter Muskulatur oder Sinneswahrnehmung. Die Webseite zeigt Testimonials, Vorher-Nachher-Bilder und eine elegante UI.

BUT: Hinter den Kulissen häufen sich Berichte über psychische Nebenwirkungen, Identitätskrisen und soziale Ausgrenzung der Transformierten. Einige Eingriffe lassen sich nicht rückgängig machen, andere erzeugen hybride Erscheinungen, die vom Normalbild stark abweichen.

THEREFORE: Der Nutzer kann durch die Seite navigieren wie durch ein Klinikportal, Vorabuntersuchungen simulieren oder Testimonials anschauen – und schließlich selbst entscheiden: Transformation buchen, abbrechen oder das Kliniksystem durch Hinweise auf versteckte Risiken sabotieren.

AND: Das biotechnologische IKARUS-Labor präsentiert auf seiner Webseite die neue GIR-Spritze – ein medizinisches Durchbruchswerkzeug zur gezielten genetischen Reprogrammierung. Sie ermöglicht, tierische DNA-Elemente kontrolliert in menschliche Zellen einzuschleusen. Die Website wirkt seriös, mit Forschungseinheiten, Zitaten des Teams und einer anscheinend funktionierenden Technologie.

BUT: Je länger Nutzer:innen auf der Seite bleiben, desto mehr irritierende Details tauchen auf: ethisch zweifelhafte Anwendungen, widersprüchliche Aussagen des Teams und eine zeitverzögerte Umschaltung auf einen kritischen Dark Mode, der die Ambivalenz offenlegt.

THEREFORE: Die Nutzer:innen erleben durch Design, Interaktion und Interface eine ambivalente Auseinandersetzung mit dem Versprechen wissenschaftlicher Fortschrittsnarrative. Sie stehen vor der Entscheidung: Vertrauen sie der Vision von IKARUS – oder entlarven sie die Fiktion als Spiegel realer Grenzüberschreitungen?

3. Kulturgeschichtliche Thesis

3.1 Mapping der Recherchearbeit

Die kulturgeschichtliche Thesis und die konzeptuelle Ausarbeitung meiner gestalterischen Arbeit standen in einem engen Wechselspiel. Die parallele Arbeit in beiden Bereichen half mir dabei, eine reflektierte und klare Haltung zum Thema zu entwickeln. Während ich in der kulturgeschichtlichen Auseinandersetzung immer wieder auf ethische Fragestellungen stieß, ergaben sich im gestalterischen Prozess – insbesondere bei der Konkurrenzanalyse von Websites einschlägiger Institutionen – neue Impulse zum Thema Framing und visuelle Kommunikation.
Im Laufe der Recherche habe ich Bücher gelesen, Filme angesehen, Bildmaterial gesammelt – bis es zunehmend schwer wurde, den Überblick zu behalten. Um die Inhalte zu ordnen, habe ich ein Miro-Board angelegt, in dem ich zentrale Erkenntnisse strukturiert und visuell verknüpft habe. Auch ChatGPT war in dieser Phase eine wertvolle Unterstützung, insbesondere bei Begriffsklärungen und Denkansätzen.

3.2 Fertigstellung der Arbeit

Diese breit angelegte, aber zugleich fokussierte Recherche ermöglichte es mir schließlich, eine tragfähige Argumentationsstruktur zu entwickeln – und darauf aufbauend das theoretische Fundament meiner kulturhistorischen Thesis zu formulieren. Hier kannst du meine schriftliche Arbeit direkt im Browser durchblättern:

→ PDF in neuem Tab öffnen

4. Konzeptentwicklung

4.1 Transformationsklinik

Ursprünglich ging ich von der Idee einer spekulativen Website für eine fiktive Klinik aus, die transformative Therapien und Eingriffe anbietet. Der Name IKARUS stand früh fest – als symbolisches Bild für die Aneignung tierischer Eigenschaften durch den Menschen, für die Hybris menschlicher Selbstüberschätzung und den unvermeidlichen Fall, der dem Hochmut folgt.

Ich skizzierte eine visuelle Identität, erfand verschiedene Therapieangebote sowie Charaktere, die das Klinikpersonal und die Klientel repräsentieren, und begann damit, das Erscheinungsbild der Klinik gestalterisch zu entwerfen. Ergänzend führte ich eine Konkurrenzanalyse durch, bei der ich die Webauftritte realer Wellness- und Schönheitskliniken untersuchte, um typische Gestaltungsmuster und Erzählstrategien herauszuarbeiten und formulierte auf Basis dessen auch ein semantisches Differenzial.

Insbesondere bei der Ausarbeitung der verschiedenen Therapieformen habe ich mit ChatGPT gearbeitet. Da ich weder medizinisches Fachwissen noch eine schriftstellerische Ausbildung habe, war ich auf Unterstützung angewiesen, um spekulative Eingriffe in eine glaubhafte und wissenschaftlich klingende Sprache zu übersetzen.

Die meisten dieser Arbeitsschritte sind auch auf dem MindMap-Miroboard oben zu finden. Hier aber noch eine Bildgallerie die einen direkten Einblick in die verschiedenen Arbeitsschritte bietet.

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4.2 Ein Schritt zurück, zwei nach vorne

Nach dem ersten Mentoring wurde mir dann aber klar, dass ich nochmals einen Schritt zurück machen sollte. Die Inputs von Kolleg*innen und Mentor*innen liessen mich feststellen, dass die Transformationsklinik zu stark auf das Thema der menschlichen Selbstoptimierung lenkt und weniger die Mensch-Natur Beziehung in Diskussion stellt. Besonders die Notizen, die Moritz für mich machte, haben mich das realisieren lassen.

Zeitungsartikel über Hybridexperimente

4.3 Das perfekte Gefäss

Ich habe den konzeptionellen Rahmen nochmals bewusst geöffnet und mich gefragt: Was genau möchte ich diskutieren – und welches spekulative Szenario eignet sich am besten als Gefäß dafür? Dazu habe ich 15 verschiedene Szenarien entwickelt und systematisch in einer Tabelle ausgewertet – immer in Bezug auf meine inhaltlichen Ziele. Es entstanden zwei Auswertungsmodelle: eine Übersicht mit allen Vor- und Nachteilen der jeweiligen Szenarien sowie eine zielbasierte Matrix, in der ich zu jedem Hauptziel die passenden Szenarien zugeordnet habe. Die Szenarien, die mir nach dieser Auswertung am besten erschienen, habe ich anschließend vertieft analysiert. Um deren gestalterisches Potenzial besser einzuschätzen, habe ich vergleichbare reale Institutionen recherchiert und exemplarisch den Aufbau ihrer Websites untersucht. Darauf aufbauend habe ich diese Site Map an mein spekulatives Szenario angepasst und erweitert. Neben der Entwicklung einer Site Map habe ich außerdem eine Spekulations-Timeline erstellt – sie dient dazu, den Grad der zeitlichen Entfernung zur Gegenwart sichtbar zu machen und die hypothetische Abfolge der Szenarien einzuordnen. All diese Überlegungen, Analysen und Verknüpfungen habe ich strukturiert in einem Miroboard zusammengetragen.

4.4 Drei Schritte zurück, vier nach vorne

Nach intensiver Analyse habe ich zunächst drei Konzepte in Form skizzenhafter Visualisierungen weiterverfolgt: eine Transformationsklinik in Anlehnung an Schönheitskliniken, eine satirische Adaption der Institution Colossal sowie eine spekulative Metzgerei, die das Fleisch jener Chimären verwertet, die nach Organspenden in japanischen Labors zurückbleiben.

Doch keines dieser Konzepte überzeugte mich vollständig: Die Klinik rückte die Diskussion zu stark in Richtung Körperoptimierung und Schönheitsideale, die Chimären-Metzgerei wirkte zu überzogen und realitätsfern, und die satirische Variante von Colossal bot mir gestalterisch kaum Raum für eine eigene visuelle Handschrift.

Das Konzept eines spekulativen Forschungslabors hingegen erschien mir in Hinblick auf meine inhaltlichen und gestalterischen Ziele am vielversprechendsten. So entstand IKARUS – ein fiktives Labor, das an einer Injektion arbeitet, die durch genetische Aneignung tierischer Eigenschaften die Rettung der Welt verspricht. Ein Versprechen, das – wie sich im Verlauf der Website zeigt – letztlich zum Scheitern verurteilt ist. Mit diesem narrativen Rahmen konnte ich schließlich in die konkrete gestalterische Umsetzung einsteigen und die visuelle Welt von IKARUS entwickeln.

5. Gestalterischer Prozess

5.1 Playing God in an (art) Lab

Dann stand ich vor dem sprichwörtlichen weißen Blatt. Ich brauchte einen Slogan, ein Logo, eine definierte Farbwelt und passende Typografie – dazu ein glaubwürdiges Forschungsteam, eine konkrete Forschungsrichtung, wissenschaftlich klingende Erklärungen sowie eine konsistente und visuell überzeugende Bildsprache. Auch eine neue Site Map und ein funktionales Wireframe mussten entworfen werden. Die Transformationsmodelle konnte ich aus dem Klinik-Konzept übernehmen, doch auch sie mussten inhaltlich geschärft und visuell glaubhaft umgesetzt werden.

Im Kern bestand meine Aufgabe darin, ein in sich geschlossenes Weltbild zu entwerfen, es gestalterisch als Website umzusetzen – und dabei Nutzer*innen ohne jeglichen Vorwissenskontext intuitiv in dieses fiktionale Szenario einzuführen. Eine Herausforderung, die sich als deutlich komplexer herausstellte, als zunächst gedacht. Denn mein Ziel war nicht nur, eine glaubwürdige Website zu gestalten – ich wollte auch, dass die dargestellten Forschungsarbeiten auf den ersten Blick als plausibel und potenziell zukunftsweisend wahrgenommen werden. Kritik oder Zweifel sollten sich nicht sofort aufdrängen, sondern erst allmählich entstehen.

Mir ging es darum, ein ambivalentes Gefühl zu erzeugen: Zwischen Faszination und Unbehagen. Erst mit dem Umschalten in den Dark Mode sollte sich die narrative Wendung offenbaren – die Kehrseite der vermeintlich fortschrittlichen Entwicklungen, ihre ethisch fragwürdigen Implikationen, ihre dystopische Tiefenstruktur.

5.2 UX/UI als narrative Strategie

Um meine Ziele zu erreichen, war es entscheidend, sorgfältig zu planen, wie ich die Website strukturiere und welche Elemente ihre Glaubwürdigkeit stärken. Diese sollte durch realistisch wirkende Fotografien, ein professionell gestaltetes Design, wissenschaftlich anmutende Texte sowie einen Footer mit Adresse, E-Mail und Telefonnummer unterstützt werden. Ergänzend sorgen ein FAQ-Bereich mit Kontaktformular und die Vorstellung eines fiktiven Teams für zusätzliche Authentizität. Doch Glaubwürdigkeit war nicht mein einziges Ziel.

Prämisse von Ikarus - die Rettung der Welt mit Gentechnologie: Glaubwürdigkeit entsteht, wenn die Forschungsarbeiten auf realen Problemen basieren und als logische Lösungsansätze erscheinen. Bereits auf der Startseite werden die grundlegende Prämisse sowie die Herausforderungen, die Ikarus zu lösen vorgibt, klar benannt. Auf den ersten Blick soll die Institution vertrauenswürdig erscheinen – als Retterin der Welt und Verbündete der Natur. Durch gezielte sprachliche Strategien und ästhetisch ansprechende Bildwelten wird zunächst der Eindruck einer sinnvollen und wohltätigen Mission vermittelt.

Realität reinmischen: In der Sektion Partnerlabore werden Institutionen vorgestellt, die mit Ikarus kooperieren. Die dort präsentierten Einrichtungen sowie ihre Forschungsbereiche basieren auf realen Vorbildern. Aus rechtlichen Gründen habe ich jedoch Logos und Namen leicht abgeändert. Wer die Originalinstitutionen kennt, sollte sie dennoch wiedererkennen können. Auch auf der History-Seite finden sich größtenteils tatsächliche Ereignisse aus der Vergangenheit. Nur der letzte Abschnitt, in dem Ikarus eine mögliche Zukunft entwirft, ist fiktiv.

Eine vorgetäuschte Transparenz: In der FAQ-Subpage werden eine Menge stark kritischer Fragen gestellt - auf welche Ikarus alle Antworten bietet. Die Anworten sind stark rationalisiert und kühl oder umgehen eine direkte Antwort mit Begrifflichkeiten. Auf die Gefahr hin, dass gewisse User:innen vielleicht nie auf den Dark Mode klicken, habe ich auch gewisse Hints zur Auflösung der Webseite als Fiktion versteckt. Die Daten auf der History Timeline reichen in die Zukunft und das Geburtsjahr der Team Mitglieder sind auch in der Zukunft. Ausserdem stehen auch dort sehr ambivalente Zitate, welche Ikarus kritisch darstellen.

Die Stärken der Natur dem Menschen gegenüberstellen: Im {R}EVOLUTIONS-Projekt werden tierische Merkmale gezielt auf den Menschen übertragen – eine direkte Visualisierung jener Fähigkeiten, in denen Tiere dem Menschen überlegen sind.

Die körperliche Vermischung von Mensch und Tier: Dass wir der Natur wieder näherkommen sollten, ist ein erstrebenswertes Ziel – doch der gentechnologische Weg ist nicht der richtige Ansatz dafür. Es ist jedoch derjenige, der unserer gegenwärtigen Realität am nächsten kommt. Gerade weil diese Form der Grenzauflösung aktuellen Entwicklungen entspricht und mit erheblichen Risiken verbunden ist, sollten ihre Chancen und Gefahren offen gelegt und kritisch hinterfragt werden.

Der Porculoid: Der Hybrid, der mir am unheimlichsten erscheint, ist jener, der längst Realität ist: das Schwein mit menschlichen Organen. Indem ich diesen Hybriden visuell noch stärker vermenschlicht habe und die Forschungsarbeit mit dem Ziel der Organspende und medizinischer Experimente begründet wird, soll unsere Beziehung zum Tier indirekt hinterfragt werden. Wie menschlich darf ein Tier sein, damit es dennoch keinen ethischen Schutz erhält? Und warum braucht es überhaupt menschliche Züge, um Schutz zu verdienen?

Der Dark Button als Aufklärungssymbol: In meinem Projekt geht es darum, die verborgenen Gefahren gentechnologischer Entwicklungen offenzulegen. Auf einer glaubhaft wirkenden Webseite lässt sich diese Kritik jedoch nicht direkt aussprechen – denn sie muss sich zunächst im Gewand der Überzeugung tarnen. Deshalb habe ich ein Auflösungsmoment eingebaut: den Dark Button. Dieser Button schaltet die gesamte Website in den Dunkelmodus – und stellt den einzelnen Abschnitten ihre gefährliche Realität gegenüber, die hinter dem Whitewashing verborgen lag. Ich habe dafür alle Hero Images, Icons, die Spritze, sowie die meisten Texte für den Dark Mode neu interpretiert. Damit wird deutlich: Das Ikarus-Labor ist spekulativ, seine Vision brandgefährlich – und dennoch bedenklich nah an der Realität. Um die kritische Auflösung nicht sofort preiszugeben, erscheint der Dark Button erst eine Minute nach dem ersten Aufruf der Seite.

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Das UX/UI-Design habe ich in Figma erstellt. Je tiefer ich allerdings ins Coding eintauchte, desto weniger passte ich Dinge direkt auf dem Figma-Board an, sondern setzte Änderungen direkt im Code um. So entwickelte sich das Board zunehmend zu einer Art Mindmap – zur Strukturierung und zum Vergleich verschiedener Bildversionen. Im eingebetteten iFrame unten lässt sich das Board frei bewegen und per Zoom erkunden. Es kann außerdem im Vollbildmodus angezeigt werden. Auch hier sind viele Gegenüberstellungen zwischen Bright- und Dark Mode sichtbar, ebenso der Prozess hinter der Bildgenerierung und verschiedene hybride Entwürfe, die ich entwickelt habe. Von ursprünglich 17 entworfenen Hybriden haben es am Ende nur sechs auf die finale Website geschafft.

5.3 Logo

Beim Logo konnte ich auf die Vorarbeit aus der Schönheitsklinik zurückgreifen, da sowohl der Name „Ikarus“ als auch der technologische Bezug erhalten blieben. Allerdings habe ich mich im Verlauf für modernere, weniger elegante Schriftarten entschieden – was dem Logo letztlich einen deutlich futuristischeren Charakter verliehen hat. Das Logo selbst ist eine abstrakte Visualisierung der genetischen Kombinatorik, wie sie bei Ikarus Anwendung findet. Die umgekehrten Mengenklammern des Fonts Kode-Mono erinnern an abstrahierte X-Chromosomen, welche unsere Eigenschaften bei der Zellteilung übertragen.

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5.4 Hero-Images

Die Hero-Images stellten den aufwendigsten Teil der gestalterischen Arbeit dar. Für jede Subpage mussten vier Versionen angefertigt werden: jeweils ein Bild für Desktop und Mobile – im Bright- sowie im Dark Mode. Diese visuellen Anker prägen den ersten Eindruck der Seite maßgeblich und tragen entscheidend zur Wahrnehmung der Glaubwürdigkeit und Professionalität bei. Besonders wichtig war es, ein konsistentes Bildkonzept zu entwickeln, das realistisch, hochwertig und zugleich ästhetisch überzeugend wirkt. Da die generierten Bilder aus ChatGPT nicht immer die nötige Auflösung aufwiesen, habe ich viele von ihnen mit Topaz AI hochskaliert, um eine scharfe, druckreife Qualität sicherzustellen. Außerdem musste ich bei der Gestaltung stets mitdenken, wie sich zu jedem Bright-Mode-Motiv eine passende Dark-Variante gestalten lässt. Im Figma-Iframe oben lassen sich alle Hero-Images im Detail betrachten.

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5.5 Hybride Wesen

Die Zusammenarbeit mit ChatGPT stellte sich als herausfordernd heraus. Mein Ziel war eine realistische Darstellung der Kreuzung von Mensch und Tier – doch genau das wurde von den Richtlinien der Bildgenerierung oft blockiert. Immer wieder erhielt ich die Rückmeldung, dass entsprechende Inhalte gegen die Nutzungsbedingungen verstoßen und daher nicht erstellt werden können. Nachdem ich schließlich eine Auswahl verschiedener Hybride generiert hatte, stellte sich die nächste Frage: Welche davon passen am besten zu meinem Konzept? Welche sind glaubwürdig genug, um in einer wissenschaftlich anmutenden Website Platz zu finden – und wo verläuft die Grenze des Zumutbaren? Obwohl ich auf der Website darauf hinweise, dass es sich bei den Bildern um Visualisierungen hypothetischer Forschungsziele handelt, war es mir wichtig, dass auch diese fiktiven Darstellungen glaubhaft wirken. Denn: Nur weil etwas technisch möglich erscheint, bedeutet das nicht, dass es gesellschaftlich akzeptabel wäre. Nicht viele Menschen würden wohl begeistert reagieren, wenn sie sich plötzlich mit einem Kamelbuckel auf der Stirn wiederfänden.

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5.6 Research Grid

Bevor ich die einzelnen Hybride in einem Grid präsentieren wollte, experimentierte ich zunächst mit einem horizontalen Slider. Doch der horizontale Scroll ist nicht für alle Nutzer:innen gleich intuitiv, und visuell bot das Grid deutlich mehr Spannung und Übersichtlichkeit. Auch hier war ein „Kill your Darling“-Moment nötig: Alle 17 Hybride zu zeigen, wäre nicht nur überwältigend gewesen, sondern hätte auch an Glaubwürdigkeit eingebüßt. Denn kaum eine Forschungseinrichtung verfolgt gleichzeitig so viele verschiedene Projekte. Welche Bilder es letztlich ins Grid und auf die Unterseiten schafften, war ein langer Prozess. Ich probierte neun verschiedene Varianten aus, bis eine überzeugende Lösung gefunden war. Die Darstellung der Tiere als 3D-Wireframe in der markanten CICD-Farbe von IKARUS (Neongrün) macht auf den ersten Blick klar, welche Genetik injiziert werden soll. Gleichzeitig unterstreicht diese Ästhetik den technisch-analytischen Blick von IKARUS auf das Leben: Ein Lebewesen erscheint hier lediglich als strukturelle Gewebeform – bestehend aus Funktionen und DNA-Codierungen, die es zu entschlüsseln gilt.

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5.7 GIR-Injektion

Die Spritze steht sinnbildlich für eine einfache Geste mit tiefgreifender Wirkung. Die Wahl dieses Mediums macht das Konzept greifbarer als eine mehrschichtige operative oder medizinische Prozedur. Sie reduziert den komplexen Eingriff auf einen symbolischen Akt – eine Injektion, die alles verändert. Für die Webseite habe ich die Spritze sowohl im Bright als auch im Dark Mode umgesetzt. In der Dark-Version habe ich bewusst ein möglichst toxisch wirkendes Serum visualisiert – inspiriert von der Ästhetik aus The Substance.

Zeitungsartikel über Hybridexperimente

5.8 Labor und Team

Bei der Erfindung der Charakteren hat mir auch ChatGPT geholfen, genau so wie bei der Visualisierung dieser Personen. Hier war es wichtig, dass sie alle einen einheitlichen Hintergrund, eine ähnliche Belichtung und Haltung zur Kamera, sowie ein freundliches Lächeln in die Kamera hatten. Den Hintergrund habe ich schlussendlich selber grafisch gestaltet.
Die Darstellung des Labors war mit ChatGPT gar nicht so einfach. Die Belichtung der Bilder fiel immer ins bläuliche und alle Bilder waren zu unheimlich. Für die Dark Page war das ideal - doch für den Bright Mode brauchte ich etwas überzeugenderes. Ich habe dort ein Stock Image genommen und farblich an die Farbwelt der Grafiken angepasst.

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5.9 IKARUS Trailer

Für außenstehende Personen ist das Konzept von IKARUS nicht auf den ersten Blick erfassbar. Um die Idee und Forschungsarbeit greifbarer zu machen, habe ich gegen Ende ein Werbevideo erstellt, das zusammenfasst, wofür IKARUS steht: Welche Probleme adressiert werden, welche Technologien zum Einsatz kommen, und wie die Vision von genetischer Innovation begründet wird. Dafür habe ich mit Sora, Google VEO2 und VEO3 gearbeitet; die Erzählstimme wurde mit Eleven Labs generiert. Lange habe ich überlegt, ob bereits in diesem Video ein Hybridwesen gezeigt werden sollte – aus Sorge, es könnte zu früh einen unrealistischen Eindruck erwecken. Ich habe mich letztlich dafür entschieden, die marinegestaltige Person beizubehalten. Denn auch in der Realität wird Künstliche Intelligenz zunehmend genutzt, um Visionen sichtbar zu machen. Das Video behauptet nicht, dass dieses Wesen existiert – sondern zeigt mit KI-generierten Bildern, wohin IKARUS denkt. Eine Visualisierung der Idee, nicht ihrer Umsetzung.

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6. Finales Ergebnis

6.1 Fazit

Die Thematik liegt mir persönlich am Herzen, und es hat sich für mich sinnvoll und richtig angefühlt, meine Gedanken zur Mensch-Tier-Beziehung in dieser Arbeit gestalterisch und konzeptionell zu verarbeiten. Gewisse Dinge könnten in meinen Augen noch weiter verfeinert werden – mein Schwerpunkt lag jedoch bewusst auf UX/UI als erzählerischem Werkzeug. Angesichts des zeitlichen Rahmens und der verfügbaren Mittel bin ich überzeugt, das Beste aus dem Projekt herausgeholt zu haben.

6.2 In a nutshell

Was bedeutet es, Mensch oder Tier zu sein? Wo verlaufen die Grenzen – und was, wenn wir sie überschreiten?

IKARUS Laboratories ist ein spekulatives Forschungslabor, das genau diese Fragen stellt. Die Website ist als Interface in eine hybride Welt gestaltet, in der Mensch-Tier-Verhältnisse neu gedacht werden: Ein Institut, das es (noch) nicht gibt – aber geben könnte. In einem Zukunftsszenario, das aktuelle biotechnologische Entwicklungen weiterdenkt, untersucht das Projekt, was passiert, wenn sich Arten vermischen, DNA sich überträgt, wenn das Humane fluide wird. Was bedeutet diese Entgrenzung für Ethik, Gesellschaft und unsere Umwelt? Eine Perspektive im Bright Mode - die andere im Dark Mode.

  • Tools
    Illustrator, Photoshop, ChatGPT, TopazAI, Visual Studio Code, Eleven Labs, Sora, Google VEO2 und VEO3
  • Mentoring
    Marianna Meyer, Benedikt Jäggi
  • Datum
    Frühlingssemester 2025
  • Kontext
    BA Thesis "Zwischen Tier und Mensch. Analyse der Abgrenzung und Ansätze für ein Miteinander."

7. Reflexion & Ausblick

7.1 Learnings

Ich habe in dieser Zeit sehr viel gelernt. Im Arbeitsverfahren, technisch und auch persönlich. All die Dinge, die ich gelernt habe, aufzuzählen, würde den Rahmen wohl sprengen. Doch unten eine Auflistung der prägnantesten Dinge.

Konzeptanalyse auf Basis von Zielsetzungen: Nicht jeder Kontext, jedes Medium und jede Narrationsstrategie eignet sich für alle Ziele gleichgut. Ich habe gelernt wie ich mit einer gezielten Projekt-Rahmen Auswertung und Recherche bestehender Projekte das richtige Konzept für meine Ziele finden kann.

Lesen als Hilfsmittel zum Design: Ein gezieltes Design ohne klare Aussage kann schwierig sein. Die intensive theoretische und thematische Auseinandersetzung hat mir sehr dabei geholfen meine eigene Position zur Thematik zu schärfen - und somit zu wissen, wie ich am besten darstellen kann, was ich mit meinem Projekt aussagen will.

Eine Time Table zu Beginn eines grösseren Projekts: Zu Beginn der Thesis fiel es mir schwer, einen Timetable für die einzelnen Projektschritte zu erstellen – vieles wirkte noch sehr abstrakt und offen. Dennoch habe ich es versucht und mich im weiteren Verlauf auch konsequent daran orientiert. Der Zeitplan wurde für mich zu einer wertvollen Struktur, an der ich mich festhalten konnte. Er half mir dabei, den Arbeitsaufwand realistisch einzuschätzen und meine Zeit und Energie gezielt auf die jeweiligen Teilschritte zu verteilen.

Den richtigen Prompt finden: Je nach Bildanfrage war es nicht immer einfach, die gewünschten Visualisierungen zu generieren – insbesondere, wenn es um die realistische Vermischung von Tier- und Menschenelementen ging. Solche Anfragen verstießen häufig gegen die Nutzungsrichtlinien von OpenAI. Um dennoch zu meinem Ziel zu gelangen, arbeitete ich mit verschiedenen Strategien: Ich formulierte meine Prompts gezielt um, nutzte Skizzen als Grundlage und arbeitete mit Referenzbildern, um die gewünschte Bildsprache indirekt zu vermitteln.

Feedback das schmerzt: Im Verlauf des Projekts gab es immer wieder Momente, in denen Feedback viel meiner Vorarbeit infrage stellte. Besonders schwer war es, wenn Elemente, die mir persönlich sehr gefielen, aus externer Sicht nicht ins Gesamtbild passten. Solche Rückmeldungen waren zwar schmerzhaft – rückblickend jedoch auch die wertvollsten. Ich bin heute sehr froh, dass ich das Konzept der Transformationsklinik hinter mir gelassen habe, obwohl dort bereits viel Arbeit eingeflossen war. Das Labor-Setting hat mir deutlich mehr Spielraum gegeben, das auszudrücken, was ich wirklich vermitteln wollte.

Einblicke ohne Kontext: Meine Recherche war so tiefgreifend, dass ich mich stellenweise in sehr verkopften Gedankengängen verlor. Dabei wurde mir bewusst, wie wichtig es ist, meine Arbeit auch Menschen zu zeigen, die kein vertieftes Hintergrundwissen haben. Es ist letztlich die Aufgabe meines Designs, meine Aussagen verständlich, zugänglich und prägnant zu vermitteln – unabhängig vom Vorwissen der Betrachter:innen.

Eine ambivalente Wahrnehmung: Es war eine große gestalterische Herausforderung, eine Bildsprache zu entwickeln, die gerade so weit irritiert, dass sie kritisches Denken über die Forschungsarbeiten von Ikarus anstößt – ohne dabei sofort als fiktive Spekulation entlarvt zu werden. Diese Gratwanderung zwischen Realität und Fiktion hat meinen gesamten Designprozess begleitet. Um ein glaubwürdiges Erscheinungsbild zu erzeugen, war es für mich essenziell, bestehende Webseiten zu analysieren und zu verstehen, welche visuellen und inhaltlichen Elemente zur Glaubwürdigkeit beitragen.

Der visuelle rote Faden: Auch diese Aufgabe erwies sich als deutlich anspruchsvoller als zunächst angenommen. Da ich stark auf Bildgenerierung angewiesen war, stellte sich die Entwicklung einer konsistenten Bildwelt als herausfordernd heraus. Immer wieder stand ich vor der Entscheidung, ob ich auf fotografisches Material oder KI-generierte Bilder zurückgreifen sollte – denn für ein aufmerksames Auge bleibt der Unterschied oft erkennbar. Durch die gezielte Kombination von grafischen Elementen mit freigestellten Bildern konnte ich jedoch eine visuelle Mitte schaffen, die diese Unterschiede auf stilistisch stimmige Weise miteinander verbindet.

Eine andere Form der interaktiven Geschichte: Für diese Arbeit habe ich eine neue Welt erschaffen – und diese Geschichte wollte ich über meine Webseite erzählen. Anders als in einem Buch verläuft die Narration hier jedoch nicht linear. Wie sich Nutzer:innen tatsächlich durch die Seite bewegen, lässt sich nur bedingt steuern. Durch gezieltes Coding, strategisch platzierte Buttons und klar strukturierte Sektionen konnte ich den Verlauf jedoch subtil lenken. Gleichzeitig galt es sicherzustellen, dass all das auf verschiedenen Displaygrößen funktioniert und die Nutzererfahrung konsistent bleibt.

7.2 Was ich das nächste Mal anders machen würde

Rückblickend würde ich heute sicherlich ein oder zwei Dinge anders angehen. Im Nachhinein ist man bekanntlich immer klüger. Zum Glück war das nicht mein letztes Projekt – und ich freue mich darauf, die gesammelten Erfahrungen in zukünftige Arbeiten einzubringen.

Speicherplatzprobleme und Schreibtischchaos: Für dieses Projekt habe ich mit einer enormen Menge an Daten gearbeitet: Hunderte von Stockbildern ausprobiert, über tausend KI-generierte Bilder erstellt und laufend Screenshots meines Prozesses gemacht. Diese Fülle an Dateien führte unweigerlich zu einem gewissen Datenchaos. Rückblickend wurde mir bewusst, wie wichtig eine konsequente und strukturierte Arbeitsweise ist – nicht nur zur Zeitersparnis, sondern auch, um den Überblick zu behalten und keine wichtigen Dateien zu verlieren. Für zukünftige Projekte möchte ich mir eine saubere, nachvollziehbare Datenorganisation von Anfang an angewöhnen.

Innehalten und Meinungen einholen: Ich habe den Großteil meiner Arbeit allein zu Hause umgesetzt und dabei viele gestalterische Entscheidungen im Alleingang getroffen – oft, ohne zuvor eine Zweitmeinung einzuholen. Im Nachhinein hätte ich vermutlich viele Arbeitsstunden sparen können, wenn ich mir früher Feedback geholt hätte. Gerade bei Designansätzen, die sich später als ungeeignet herausstellten, bin ich zu tief ins Detail gegangen, bevor ich ihre Tauglichkeit ausreichend überprüft hatte.

Ein riesiger Workload: Ich habe sämtliche Aspekte dieses Projekts eigenständig umgesetzt – von der Recherche über den Aufbau einer fiktiven Welt und der Entwicklung eines Corporate Designs für die erfundene Institution, bis hin zur Texterstellung, Gestaltung aller Icons und Bilder, dem UX/UI-Design sowie der Programmierung der gesamten Webseite. Diese Vielzahl an Aufgaben war stellenweise überwältigend und zwang mich dazu, Prioritäten zu setzen und den Zeitaufwand für einzelne Bereiche bewusst zu steuern. Das bedeutete auch, dass ich mich nicht in allen Bereichen gleich tief mit der gestalterischen Ausarbeitung auseinandersetzen konnte. Auch wenn mir ChatGPT beim Verfassen der Texte eine große Hilfe war, würde ich ein solches Projekt bei einem zweiten Anlauf gerne im Team oder in einer Kollaboration umsetzen – nicht nur zur Entlastung, sondern auch zur Bereicherung durch andere Perspektiven.

Kein KI oder Adobe Stock: In einem zweiten Anlauf – mit mehr Zeit – hätte ich gerne andere Wege der Bildproduktion ausprobiert: Ein reales Labor besuchen und dort fotografieren, wissenschaftliche Illustrationen anfertigen oder eigene 3D-Modelle entwerfen. Auch diese gestalterischen Mittel hätten mich sehr interessiert. Doch für diese Herangehensweisen fehlte letztlich die Zeit, zumal mein Hauptfokus auf dem UX/UI der Webseite lag.

7.3 Wie könnte es weitergehen?

Die Arbeit wurde bereits im öffentlichen Kontext präsentiert: Das Zug Kultur Magazin hat mich angefragt, ob ich eine gestalterische Arbeit zum Thema „Verknüpfen, Verbinden, Vereinen“ beisteuern möchte. In der Ausgabe werden zehn Künstlerinnen aus Zug porträtiert, wobei jeder eine eigene Seite gestalten durfte. Für mich war das der perfekte Anlass, um meine Arbeit zu präsentieren. Ich habe ein Bild entworfen, das mit einem QR-Code und Link versehen ist, um die Leserschaft zum Besuch der Webseite zu motivieren. Da es sich beim Zug Kultur Magazin um ein Kulturformat handelt, ist anzunehmen, dass das Publikum spekulative Szenarien als solche erkennt. Dennoch spiele ich mit dem Gedanken, eine kleine Kampagne auf Instagram oder anderen sozialen Medien zu starten – in der Hoffnung, Aufmerksamkeit für das Thema zu generieren, vielleicht eine öffentliche Diskussion anzuregen und sogar den einen oder anderen Moment des Zweifels zu erzeugen.

Zeitungsartikel über Hybridexperimente

8. Kontakt

8.1 Danksagung

Ein ganz besonderer Dank gilt meinen Eltern Monika und Franco Viggiano, sowie meinem Bruder Livio Viggiano.

Nicht nur in meiner Beziehung mit Tieren habt ihr mich unterstützt, sondern auch in meiner akademischen Laufbahn. Dass ihr mich gross träumen lässt und dabei helft, meine Ziele zu erreichen, ist alles andere als selbstverständlich. Dafür bin ich euch auf ewig dankbar.

Für anregende Gespräche, Unterstützung und kritisches Gegenlesen danke ich Jessica Zimmermann, Anja Rothenbühler, Thubten Shontshang und Sebastian Steffen. Eure Rückmeldungen – sowohl zum grossen Ganzen als auch zu den feinen Details – haben mir sehr geholfen, meine Position zur Thematik differenzierter einnehmen zu können.

Einen grosser Dank gilt auch den Mentor*Innen, die mich während meiner Studienzeit an der FHNW HGK unterstützt, beraten und begleitet haben. Besonders danke ich Dr. Invar Hollaus für die sorgfältige Lektüre meiner kulturhistorischen Arbeit und seine klärenden, aufschlussreichen Hinweise, die diese Arbeit bereichert haben.

Mein Dank gilt ausserdem Marianna Meyer und Benedikt Jäggi für das Mentorat zum gestalterischen Teil der Arbeit. Ihre konstruktiven Rückmeldungen zum Konzept und zum gestalterischen Vorgehen haben sowohl die praktische Umsetzung als auch die theoretische Auseinandersetzung mit meiner Fragestellung wesentlich vertieft.

8.2 Zu mir

Kunst und Design begeistern mich seit je her. Während meiner bisherigen Laufbahn, habe ich in vielen verschiedenen Orten Erfahrungen gesammelt, weswegen ich eine sehr breite Fähigkeitenpallete habe.

Seit ich an der FHNW HGK im Institut der digitalen Kommunikationswissenschaften studiere, kann ich mich auf die digitalen Räume spezialisieren. Auch hier gibt es noch viel zu entdecken und zu lernen.
Motion Design, Webdesign und Immersive Design sind meine liebsten Bereiche, denn ich mag es Geschichten zu erzählen. Diese Digitalen Tools ermöglichen es mir, eine Nachricht verspielt und vielleicht sogar interaktiv erfahrbar zu machen.

  • Coding
    HTML, CSS, Javascript, C#, Basil.js, P5.js, Hydra, Processing, Arduino Uno
  • Motion Design und Modellierung
    Cinema 4D, AfterEffects, Premiere Pro, Unity, Rhino, Blender, Adobe Aero
  • Bild und Grafik
    Photoshop, Illustrator, Indesign, Lightroom, Photogrammetry
  • UX/UI Design
    Figma
  • Urbane Kunst
    Graffiti, Poetry Slam
  • Graffiti
    Selbstständige Nebenbeschäftigung für ein Graffitikursangebot, Spray-Workshops und Auftragsmalereien (www.musework.ch)
  • Poetry Slam
    Kommunikation, Organisation und verantwortlich für das LineUp im Kollektiv Zebrafant in Zug. Mehrere Bühnenauftritte und Auftragsarbeiten als Poetin des gesprochenen Wortes.
  • Educations of Art
    Ein kurzes Praktikum im Kunsthaus Zug bei Sandra Winiger.
  • Research and Writing
    Freelance Journalistin für die Zuger Presse und den ZugerBieter.
  • 2022 - Aktuell
    Bachelor im IDCE, Digitale Räume an der FHNW HGK
  • 2021 - 2022
    Bachelor im IADE, FHNW HGK
  • 2020 - 2021
    Bachelor of Arts in Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Basel.
  • 2019 - 2020
    Gestalterischer Vorkurs, HSLU D&K
  • 2012 - 2019
    Matura in der Kantonsschule Zug
  • 2015 - 2016
    Highschool Austauschjahr in Idaho, Rexburg an der Madison High School.

9. Impressum



Bachelor Thesis 2025

Konzept und Gestaltung:
Luisa Viggiano

Mentorierende:
Marianna Meyer
Benedikt Jäggi

Grafik und Bilder:
Luisa Viggiano, ChatGPT, AdobeStock

Schriften:
Karla-Regular, Helvetica-Regular

Development:
Luisa Viggiano

FHNW, Hochschule für Gestaltung und Kunst Basel
Institut Digitale Kommunikationsumgebungen
Bachelor Visuelle Kommunikation und digitale Räume
Vertiefung: Digitale Räume

© 2025 Luisa Viggiano / FHNW HGK Basel. Alle Rechte vorbehalten.